EEG Fragen
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24. Juli 2019

EEG: Häufig gestellte Fragen zur Eigenversorgung und Besonderen Ausgleichsregelung

Ist die Unterscheidung zwischen Eigenversorgung und Besonderer Ausgleichsregelung wichtig?

Ja. Und nicht so sehr, weil die Gründe für die Befreiung (Energieintensität bzw. Eigenerzeugung) unterschiedlich sind. Der wesentliche Unterschied liegt in der Anforderung an die Messung. Die Messung für die Eigenversorgung ist um einiges komplizierter zu realisieren, weil 15-Minuten-Werte erforderlich sind.

Woher stammt die Anforderung von 15-Minuten-Werten?

In § 62a des EEG wird in Absatz 5 der 15-Minuten-Wert gefordert und gleichzeitig die Zeitgleichheit als Anforderung ergänzt.

Quelle: Michael Kuhrs

Was bedeutet Zeitgleichheit?

Der Begriff der Zeitgleichheit ist von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in den PTB-Anforderungen 50.7, Abschnitt 3.1.7, beschrieben worden. Die darin geforderte Genauigkeit der Uhrzeit erfordert implizit die Synchronisation mit einem NTP-Server, weil „normale“ Elektronik in Form von Uhrenquarzen die geforderte Genauigkeit nicht über einen langen Zeitraum gewährleisten kann.

Was muss gemessen werden: Registrierende Leistungsmessung (RLM) oder Zählerstandsgangmessung?

Eins von beiden. Im Leitfaden Eigenversorgung ist auf S. 113 beschrieben, dass eine der beiden Messarten genutzt werden kann. Da nicht für alle Anwendungsfälle eine RLM-Messung möglich ist, bietet die Möglichkeit der Zählerstandsgangmessung eine gute (und auch preisgünstigere) Alternative. Die Messung des Verbrauchs (mit der Zählerstandsgangmessung) hat auch den Vorteil, dass sie in jedem Fall mit dem Wert des Bezugszählers des EVUs abgeglichen werden kann.

Ist eine Schätzung nicht auch möglich?

Ja, eine Schätzung ist möglich, aber meistens auch teurer. Wir haben hier im Blog mal das Beispiel unseres geliebten NZR-Cola-Automaten vorgerechnet. Das Fazit dort: Nach etwas mehr als einem Jahr hat man die Kosten für die Messtechnik durch eine geringere EEG-Umlage-Zahlung wieder hereingespielt.

Wir berechnen Stromkosten nicht weiter. Müssen wir trotzdem messen?

Leider ja. Die Verpflichtung zur Abgrenzung des Drittverbrauchs ist unabhängig von der Frage, zu welchem Preis er gehandelt wird – also auch, wenn er verschenkt wird.
Ausnahmen bzw. Klarstellungen gibt es für die Bagatellverbräuche (Besucher lädt sein Telefon mit privilegiertem Strom auf) oder für Hotels (der Verbrauch der Gäste ist Eigenverbrauch).

Wer legt die Regeln für eine korrekte Abgrenzung fest?

Das ist derzeit noch nicht komplett klar. Sicher ist: Ein Wirtschaftsprüfer erstellt ein Testat, das die Grundlage ist. Die Übertragungsnetzbetreiber, die die Zahlungen annehmen, haben keine eigene Prüfungsbefugnis in einem Unternehmen, informieren bei dem Verdacht von Unstimmigkeiten die Behörden. Und von den Behörden gibt es gleich zwei: Die Bundesnetzagentur (BNetzA) ist für die Eigenversorger zuständig, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) für die energieintensiven Unternehmen.

Muss die Steckverbindung abschließbar sein?

Nein, es gibt keine entsprechende Vorschrift, aus der das ableitbar wäre. Allerdings haben wir diese Auffassung schon öfter bei Kunden gehört: Sichergestellt werden soll offenbar, dass auch immer korrekt gemessen wird. Das ist zwar verständlich, auf der anderen Seite aber wenig plausibel: Welches Energieintensive Unternehmen setzt denn freiwillig seine Privilegierung aufs Spiel, um bei der EEG-Umlage zu schummeln? In der Praxis ist das übrigens genau die Denkweise, die wir von Energieintensiven Unternehmen gehört haben, nämlich auf keinen Fall die Umlageerleichterung zu gefährden. Und Eigenversorger können anhand der 15-Minuten-Werte ohnehin jede Viertelstunde ausweisen.
Wenn es denn Abschließbarkeit sein muss: Mit Hilfe von Siegelmarken kann die Verbindung gesiegelt werden.

 

Mehr zum Thema:

Pflichten Eigenversorger bei Drittbelieferung

Besondere Ausgleichsregelung (§§ 63 ff.)

Steckdosenzähler: EcoLine

Blogbeitrag: EEG-Umlagebefreiung: Messung oder Schätzung?

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